Zettelkasten

Die Teilnehmende Beobachterin ist unterwegs im Alltäglichen. Sie spaziert entlang der Grenzen von Literatur, Ethnografie und Dokumentation. Sie sammelt und notiert.

Dies ist ihr digitaler Zettelkasten.


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sommers

8:30 Uhr, 29 Grad.

Gerade sah ich eine Hummel über den Weg kriechen auf der Suche nach Wasser. Ich habe keins dabei, ich konnte ihr nicht helfen. Seit ein paar Minuten erst sitze ich auf der Holzbank, sofort staut sich die Hitze unter meinem dunkelblauen Kleid, dessen Stoff eigentlich angenehm kühl ist.

Ich habe Angst vor diesen Temperaturen.

Gestern lag ich an verschiedenen Orten der Wohnung herum. Immer, wenn ich es nicht mehr aushielt, weil die Luft so stickig war und ich wegen der noch größeren Hitze draußen kein Fenster öffnen konnte, ging ich in ein anderes Zimmer – bis es mir dort unerträglich schien. Ein sich schließender Kreis, ein Kreislauf kurz vorm Kollaps.

Gestern: die höchste jemals in diesem Land gemessene Temperatur. Nachts habe ich mich im Bett gewälzt, auch das offene Fenster um zwei brachte keine Abkühlung.

Hier im Park ein leiser Wind und am Himmel Wolken. Das vielstimmige Zwitschern der Vögel. Zu meinen Füßen kippt eine Rollassel auf den Rücken, als sie mit einem trockenen Blatt kämpft.

Eine Eminenz werden (ein Gedanke, der mich von irgendwo anfliegt).

„Mama“, ruft ein Junge, „früher passten wir noch locker durch!“

Ich erinnere mich an den Mann, der mit seinem Sohn vor mir durch das Tor in den Park trat: Seine Waden waren übersät mit großen, breitflächigen Mückenstichen.

Im Mittelgang übt eine Frau Tai Chi. Der Fächer, den sie schwingt, zerschneidet den Morgen mit Geräuschen, die kaum aus einem so feinen Ding aus hauchdünnem Stoff kommen können.

In der Luft jetzt der Geruch von verbrannter Kohle, ganz leicht unter den Linden, den Gräsern.

Frucht & Fliege

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